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Freitag, 30. Mai 2008
Mit Sharp, Kyocera, Sanyo und Mitsubishi kommen vier der sechs größten Hersteller von Solarzellen aus Japan, das bis 2003 auch jährlich in der neu installierten Menge von photovoltaischer Kapazität strahlte. Doch jetzt melden sich Stimmen, die davor warnen, Japan könne auf dem Feld regenerativer Energiegewinnung den Anschluss an die führenden Industrienationen der Welt verlieren.

Die „Fukuda-Vision“ des japanischen Premierministers sieht zwar eine Reduzierung der japanischen Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 60 bis 80% vor, japanische Experten auf dem Gebiet der regenerativen Energiegewinnung halten diese Ziele aber von vornherein für kaum erreichbar, ohne das gewaltige Wechsel in der Politik des Landes vollzogen wird. Denn in den Planungen zur Stromversorgung spielen diese Formen der Energiegewinnung in Japan eine nach wie vor untergeordnete Rolle. Während sowohl in den in den USA als auch in europäischen Nationen, allen voran in Deutschland, regenerative Energien zukünftig einen erheblichen Bestandteil der Energieversorgung übernehmen sollen (15% bis zum Jahr 2020 in den USA, 45% bis zum Jahr 2030 in Deutschland), beschränkt man sich in Japan auf ein Ziel von 1,63%, allerdings bereits bis zum nahe liegenden Zeitpunkt von 2014.

Derartige Ziele betrachtet der Direktor der japanischen Non-Profit-Organisation ISEP (Institute for Sustainable Energy Policies), Iida Tetsunari, als ziemlich lachhaft; er beklagt die reale Gefahr, dass Japan auf dem besten Weg sei, auf Gebiet der erneuerbaren Energien den Anschluss an den Rest der Welt zu verpassen.

Erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarenergie, Solarthermie, Geothermie, Biomasse, Wasserkraft und Gezeitenkraft sind nicht wie Erdöl oder Kohle in begrenzten Ausmaß vorhanden, und drohen nicht auszugehen. Außerdem gibt es bei Ihnen auch keine vergleichbare regionale Ungleichverteilung wie bei fossilen Brennstoffen, weshalb sie nicht Gegenstand geopolitischer Risiken sind. Anders als bei fossilen Brennstoffe werden bei der Energiegewinnung aus regenerativen Quellen keine Treibhausgase freigesetzt, weshalb diese Art der Energiegewinnung auch als Gegenmaßnahme gegen eine weitere globale Erwärmung am wünschenswertesten ist.

Für ein rohstoffarmes Land wie Japan, das für die Deckung seines Energiebedarfs zu 100% auf Importe angewiesen ist, sollten regenerative die erträumte Energiequelle für das 21. Jahrhundert sein. Trotzdem sieht Herr Iida keinerlei Hinweise darauf, das derzeit in Japan ein Wechsel von den fossilen Brennstoffen oder der problembeladenen Kernkraft stattfinde. Damit werde der weltweite Trend verpasst.

Auf dem Gebiet der Windkraft, die unter den regenerativen Energiequellen noch am weitesten verbreitet sei, ist Japan in den vergangenen Jahren von Ländern wie China und Indien überholt worden, und ist im Hinblick auf die installierte Kapazität auf den 13. Rang weltweit zurückgefallen. Auch auf dem Gebiet der Solarenergie, auf dem Japan bis zum Jahr 2004 im Hinblick auf jährlich neu installierte Kapazität führend in der Welt war, ging die Spitzenreiterrolle auf Deutschland über, und die Diskrepanz zwischen den beiden Ländern wächst jährlich sowohl bei der neu installierten Kapazität als auch bei der insgesamt installierten Kapazität.

Herr Iida führt in einem Fernsehinterview diese Entwicklung darauf zurück, dass europäische Länder wie Schweden, Dänemark oder Deutschland in den 90er Jahre politische Maßnahmen zur Förderung regenerativer Energien eingeführt und damit die sprunghafte Verbreitung dieser Form der Energiegewinnung eingeleitet hätten. Japan habe gleichzeitig weiter auf Nuklearenergie gesetzt und die neuen Energiequellen vernachlässigt. Tatsächlich wurde im Jahr 2005 die Subventionierung von Solaranlagen in Japan eingestellt – was prompt negative Auswirkungen auf die neu installierte Kapazität gezeigt hat.

Die sträfliche Vernachlässigung der regenerativen Energiequellen in Japan rührt nach Ansicht der japanischen Kritiker vom großen politischen Einfluss der klassischen Energieerzeuger her. In den althergebrachten Institutionen des eisernen Dreiecks aus Politik, Bürokratie und großer Wirtschaft könnten die große Stromkonzerne noch immer das METI und die Politiker von der Förderung neue Energiequellen abbringen, durch die sie ihre eigenen Interessen und Gewinne bedroht sehen. Bürokratie und Politik hätten eigentlich schon anhand der Erfolgsbeispiele Deutschland und Spanien gelernt und seien sich auch über die Rationalität einer Verbreitung alternativer Energiequellen im Klaren.
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Dienstag, 27. Mai 2008
Das japanische Ministerium für Wirtschaft und Industrie (METI) hat Pläne für eine „Eco Patent Commons“-Struktur konsolidiert, über den sich Unternehmen gegenseitig kostenfrei nicht genutzte Patente aus dem Umweltbereich offen legen sollen. Im Umfeld der globalen Erwärmung zieht die exzellente Umwelttechnologie aus Japan immer mehr Aufmerksamkeit auf sich; die Zielsetzung des Programms ist es, durch die effektive Nutzung bisher nicht implementierter, verschütteter Patenttechnologie die Verbreitung und Entwicklung von Umwelttechnologie noch weiter zu fördern.

Das System sieht vor, das jedes Unternehmen, das mindestens eine Umwelttechnologie einstellt, für die es ein Patent hält, ohne es zu implementieren, die registrierten Patente anderer Unternehmen gebührenfrei nutzen kann. Auf einer extra eingerichteten Website im Internet wird ein Überblick zu den eingestellten Patenten veröffentlicht. Als Beispiele ließen sich Patente für besondere Technologien zur Vermeidung von Treibhausgasen in fortschrittlichen Produktionsstätten oder Technologien zur Verkleinerung von Verpackungen vorstellen.

IBM und Sony haben gemeinsam bereits im Januar 2008 ein vergleichbares System eingerichtet, bisher wurden aber nicht mehr als 30 Einträge eingestellt. Das Ministerium für Wirtschaft und Industrie fordert von der Wirtschaft das Bereitstellen einer Zielgröße von über 200 Patenten, nach deren Erreichen es auch die Eintragung ungefähr 100 staatlich gehaltener Patente aus dem Umweltbereich plant.

Flankierend befindet sich eine Gesetzesrevision für das Erlassen oder Rückerstatten von Kosten in Planung, die bei der Anmeldung eines Patents entstehen oder mit dem Verlängern gehaltener Patente verbunden sind. Durch die Senkung der Belastung für die Unternehmen soll die Akzeptanzrate des Systems gefördert werden. Darüber hinaus wird untersucht, ob man das Ökopatentsystem auch mit dem System zur Reduzierung von Treibhausgasemmissionen verbindet und den Unternehmen, die Patente einstellen, eine bestimmte Emissionsmenge zuteilt.

Die japanische Regierung verspricht sich so, der bereits auf einem hohen Niveau rangierende Umwelttechnologie aus Japan neue Impulse zu verleihen und den eigenen Anspruch auf eine Führungsrolle im Bereich der Klimaschutzmaßnahmen zu unterstreichen. Durch die gegenseitige Nutzung von Patenten soll der Technologietransfer zwischen den Unternehmen der Branche belebt werden, und der Standard der japanischen Umwelttechnologie neue Höhen erreichen.
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