Montag, 2. Juni 2008
„Umweltindex“ am japanischen Aktienmarkt

Der Tokyo Stock Exchange (TSE) und das japanische Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Handel (METI) haben eine Überprüfung der Idee, einen „Umwelt“-Aktienindex einzurichten, eingeleitet . Der Index soll sich aus den Börsenkursen der Unternehmen zusammensetzen, die sich sehr verantwortlich im Umgang mit der Umwelt zeigen. TSE hat die Absicht, diesen Index im kommenden Jahr versuchsweise einzuführen. Durch ihn wird technologische Kompetenz des Managements im Umgang mit Energiesparmaßnahmen, Recycling etc. bewertet. Der Index wird auf der Basis solcher Unternehmen kalkuliert, die entsprechenden Kriterien genügen.

Das Ziel des Plans ist es, einen Aktienindex aufzubauen, der die in Japan traditionell stark entwickelte „Umweltkompetenz“ herausstellt und Investitionen aus dem In- und Ausland in die Unternehmen lenkt, die eine treibende Kraft in der Entwicklung des Umweltschutzes gewesen sind.

Mitte Juni werden TSE und das METI gemeinsam eine „Studiengruppe zu Methoden der Evaluierung von Umweltkompetenz an Kapitalmärkten“ ins Leben rufen, die sich aus Akademikern und Wirtschaftsvertretern zusammensetzt. Die Gruppe wird damit beginnen, Indizes und Kriterien für die Evaluierung des Umweltmanagements von Unternehmen zu diskutieren; Ergebnisse sollen nach einem Jahr zusammengestellt werden, und auch der Versuch des TSE wird voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen.

Japanischer Emissionshandel kommt nächstes Jahr

Außerdem soll im kommenden Jahr am TSE der Handel mit Emissionsrechten aufgenommen werden. Am 30.05.08 fand das erste Treffen der „Studiengruppe zum Handel mit Kyoto-Credits“ statt, die sich mit den Vorbereitungen für einen Markt zum Handel mit Emissionsrechten von Treibhausgasen wie CO2 etc. beschäftigt. Der CEO des TSE, Saito Atsushi, ließ verlautbaren, Japan habe eine in Asien einzigartige Pflicht, Einschnitte vorzunehmen, und sollte dementsprechend auch einen eigenständigen Markt entwickeln, der das Zeug zu einem internationalen Standard habe. Er plant die Einrichtung dieses Marktes für das Jahr 2009.

Die Studiengruppe setzt sich aus Unternehmensvertretern von Großhandelshäusern, Stromerzeugern, Wertpapierhändlern, Banken etc. zusammen. Außerdem nehmen die verantwortlichen Bürokraten aus der Finanzaufsichtsbehörde (FSA), dem Umweltministerium und dem METI teil. Die Gruppe soll Lösungen im Hinblick auf die Struktur und das System zur Zirkulierung von durch das Kyoto-Protokoll festgelegten Emmissionsrechten (CER), sowie zu Abrechnungs- und Zahlungssystemen finden und diese bis zum Herbst diesen Jahres zusammenfassend vorstellen.
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Samstag, 31. Mai 2008
Eine ganze Reihe koreanischer Großunternehmen steigt in Zeiten hoher Ölpreise, in denen nach Alternativen zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen gesucht wird, in den Photovoltaikmarkt ein.

Derzeit wird der Weltmarkt für Solartechnik durch Unternehmen aus Deutschland, Japan und den USA dominiert, aber in jüngster Zeit haben auch südkoreanische Unternehmen in großem Maßstab in dieses neue Wachstumssegment investiert. Nach Berechnungen des Samsung Reserach Institute (SRI) wird sich der weltweite Markt für Photovoltaik mit einem Wachstum von 15 Mrd. Dollar im Jahr 2005 auf 36,1 Mrd. Dollar im Jahr 2010 mehr als verdoppeln. In Südkorea selbst ist die installierte Kapazität von 2,6MW im Jahr 2004 sprunghaft auf 44MW im Jahr 2007 angewachsen. Prognosen sagen für dieses Jahr ein weiteres Wachstum auf 100MW und für 2010 auf 4 Gigawatt voraus.

1MW entspricht der Strommenge, die ungefähr 200 bis 300 südkoreanische Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Nach Ansicht des SRI wird der Zeitpunkt, an dem photovoltaische Energieerzeugung in Korea genauso ökonomisch wird wie die Energiegewinnung mit fossilen Brennstoffen ungefähr im Jahr 2020 erreicht sein, also später als in Japan (2010) oder den USA (2015).

-Großunternehmen steigen ein -

LG hat einen neuen Unternehmensbereich für Photovoltaik eingerichtet. Das Unternehmen hat kürzlich die Summe von 120 Mrd. Won (€ 75 Mio) investiert und in Chuncheon Namdo ein Solarkraftwerk der 14MW-Klasse errichtet, das im kommenden Monat den Betrieb aufnehmen wird. Durch die Konstruktion eines geschlossenen Systems für Komponentenproduktion, die Errichtung von Anlagen und deren Betrieb über die verschiedenen Tochterfirmen LG Solar Energy, LG Chem und LG Electronics wird der Gruppe zugetraut, zukünftig sehr wettbewerbsfähig zu werden.

Auch Hyundai Heavy Industries hat eine Fabrik für die Produktion von Solarzellen und anderen Bauteilen in Chuncheon Bukdo fertig gestellt. Das Unternehmen plant in dieser Fabrik, in die 34 Mrd. Won (€ 21 Mio) investiert worden sind, Photovoltaik-Bauteile für eine jährliche Energiegewinnung von 30MW herzustellen. Hyundai Heavy Industries will bis 2009 Erweiterungsinvestitionen von 200 Mrd. Won (€ 125 Mio) tätigen, eine zweite Fabrik errichten und den Umsatz in der Sparte auf 1 Billion Won (€ 625 Mio) steigern. Der Vizepräsident des Unternehmens Min Keh-Sik ließ verlautbaren, in Zukunft werde eine struktur eingerichtet, in der sämtliche Photovoltaikkomponenten hergestellt würden.

Tonyan Steel and Chemicals hat seit letzten Monat die Produktion des für Solarzellen so wichtigen Rohstoffs Polysilikon voll aufgenommen, und SKC plant innerhalb diesen Jahres in die Massenproduktion von Filmen für Solarzellen einzusteigen. Auch das größte Stadtgasunternehmen Südkoreas, Samcheonri, hat kürzlich in Cheonla ein Solarkraftwerk der 2MW-Klasse eingerichtet.

Angesichts des Rampenlichts, in dem die Photovoltaik in jüngster Zeit in Südkorea steht, steigt die Zahl der Unternehmen, die ihre Geschäfte überprüfen und Überlegungen zu einem Markteinstieg anstellen. Insgesamt 48 börsennotierte Unternehmen des Landes haben in letzter Zeit ihre Statuten überarbeitet und photovoltaische oder nukleare Stromerzeugung in den Unternehmenszweck mit aufgenommen. Die Zahl der koreanischen Unternehmen, die inmitten der weltweiten Energiekrise an der Wachstumsdynamik der neuen und regenerativen Energiequellen teilhaben wollen, wächst.
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Freitag, 30. Mai 2008
Mit Sharp, Kyocera, Sanyo und Mitsubishi kommen vier der sechs größten Hersteller von Solarzellen aus Japan, das bis 2003 auch jährlich in der neu installierten Menge von photovoltaischer Kapazität strahlte. Doch jetzt melden sich Stimmen, die davor warnen, Japan könne auf dem Feld regenerativer Energiegewinnung den Anschluss an die führenden Industrienationen der Welt verlieren.

Die „Fukuda-Vision“ des japanischen Premierministers sieht zwar eine Reduzierung der japanischen Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 60 bis 80% vor, japanische Experten auf dem Gebiet der regenerativen Energiegewinnung halten diese Ziele aber von vornherein für kaum erreichbar, ohne das gewaltige Wechsel in der Politik des Landes vollzogen wird. Denn in den Planungen zur Stromversorgung spielen diese Formen der Energiegewinnung in Japan eine nach wie vor untergeordnete Rolle. Während sowohl in den in den USA als auch in europäischen Nationen, allen voran in Deutschland, regenerative Energien zukünftig einen erheblichen Bestandteil der Energieversorgung übernehmen sollen (15% bis zum Jahr 2020 in den USA, 45% bis zum Jahr 2030 in Deutschland), beschränkt man sich in Japan auf ein Ziel von 1,63%, allerdings bereits bis zum nahe liegenden Zeitpunkt von 2014.

Derartige Ziele betrachtet der Direktor der japanischen Non-Profit-Organisation ISEP (Institute for Sustainable Energy Policies), Iida Tetsunari, als ziemlich lachhaft; er beklagt die reale Gefahr, dass Japan auf dem besten Weg sei, auf Gebiet der erneuerbaren Energien den Anschluss an den Rest der Welt zu verpassen.

Erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarenergie, Solarthermie, Geothermie, Biomasse, Wasserkraft und Gezeitenkraft sind nicht wie Erdöl oder Kohle in begrenzten Ausmaß vorhanden, und drohen nicht auszugehen. Außerdem gibt es bei Ihnen auch keine vergleichbare regionale Ungleichverteilung wie bei fossilen Brennstoffen, weshalb sie nicht Gegenstand geopolitischer Risiken sind. Anders als bei fossilen Brennstoffe werden bei der Energiegewinnung aus regenerativen Quellen keine Treibhausgase freigesetzt, weshalb diese Art der Energiegewinnung auch als Gegenmaßnahme gegen eine weitere globale Erwärmung am wünschenswertesten ist.

Für ein rohstoffarmes Land wie Japan, das für die Deckung seines Energiebedarfs zu 100% auf Importe angewiesen ist, sollten regenerative die erträumte Energiequelle für das 21. Jahrhundert sein. Trotzdem sieht Herr Iida keinerlei Hinweise darauf, das derzeit in Japan ein Wechsel von den fossilen Brennstoffen oder der problembeladenen Kernkraft stattfinde. Damit werde der weltweite Trend verpasst.

Auf dem Gebiet der Windkraft, die unter den regenerativen Energiequellen noch am weitesten verbreitet sei, ist Japan in den vergangenen Jahren von Ländern wie China und Indien überholt worden, und ist im Hinblick auf die installierte Kapazität auf den 13. Rang weltweit zurückgefallen. Auch auf dem Gebiet der Solarenergie, auf dem Japan bis zum Jahr 2004 im Hinblick auf jährlich neu installierte Kapazität führend in der Welt war, ging die Spitzenreiterrolle auf Deutschland über, und die Diskrepanz zwischen den beiden Ländern wächst jährlich sowohl bei der neu installierten Kapazität als auch bei der insgesamt installierten Kapazität.

Herr Iida führt in einem Fernsehinterview diese Entwicklung darauf zurück, dass europäische Länder wie Schweden, Dänemark oder Deutschland in den 90er Jahre politische Maßnahmen zur Förderung regenerativer Energien eingeführt und damit die sprunghafte Verbreitung dieser Form der Energiegewinnung eingeleitet hätten. Japan habe gleichzeitig weiter auf Nuklearenergie gesetzt und die neuen Energiequellen vernachlässigt. Tatsächlich wurde im Jahr 2005 die Subventionierung von Solaranlagen in Japan eingestellt – was prompt negative Auswirkungen auf die neu installierte Kapazität gezeigt hat.

Die sträfliche Vernachlässigung der regenerativen Energiequellen in Japan rührt nach Ansicht der japanischen Kritiker vom großen politischen Einfluss der klassischen Energieerzeuger her. In den althergebrachten Institutionen des eisernen Dreiecks aus Politik, Bürokratie und großer Wirtschaft könnten die große Stromkonzerne noch immer das METI und die Politiker von der Förderung neue Energiequellen abbringen, durch die sie ihre eigenen Interessen und Gewinne bedroht sehen. Bürokratie und Politik hätten eigentlich schon anhand der Erfolgsbeispiele Deutschland und Spanien gelernt und seien sich auch über die Rationalität einer Verbreitung alternativer Energiequellen im Klaren.
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